Am Dienstag, 27. Januar, hat Lichtenberg sich wieder besonnen, auf eine besondere und notwendige Weise. Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung luden zu mehreren Gedenkveranstaltungen ein, die an die Opfer des Holocaust erinnerten und ein starkes Zeichen gegen das Vergessen setzten, ergänzend zu den Mahnmalen in den Parks in Lichtenberg.1
Den Höhepunkt bildet eine beeindruckende Lichtinstallation: Um 18:00 Uhr wurden über 300 Namen von aus Lichtenberg und Hohenschönhausen vertriebenen und ermordeten Juden an die Giebelwand des Stadthauses projiziert, zu sehen bis in die Morgenstunden des 28. Januar.
Ein Tag mit vielen Stationen
Die Gedenkveranstaltungen begannen bereits morgens: Ab 8:45 Uhr legten Bezirksamtsmitglieder und Verordnete an verschiedenen Erinnerungsorten im Bezirk Kränze nieder – am Gedenkstein für die Synagoge Konrad-Wolf-Straße, für Viktor Aronstein, auf dem St. Hedwig Friedhof und an mehreren anderen Orten.
Ein dichtes Programm, das zeigt: In Lichtenberg wird Erinnerungskultur ernst genommen.
Museum zeigt bewegende Ausstellung
Ergänzt wurde das Gedenken durch eine Fotoausstellung im Museum Lichtenberg mit Arbeiten der Berliner Fotografin Marlene Gawrisch über die Konzentrationslager Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau.
Die Fotos entstanden zum 80. Jahrestag der Befreiung und werden begleitet von eindringlichen Zeugenaussagen aus den Frankfurter Auschwitz-Prozessen von 1963 bis 1965. Die Ausstellung lief bis 8. Februar, der Eintritt war frei.
Ein sichtbares Zeichen
Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) betonte die Bedeutung des gemeinsamen Gedenkens: „Unser gemeinsames Gedenken an das unaussprechliche Leid der Shoa und die Opfer des Holocaust bleibt wichtig. Es ist ein sichtbares Zeichen unserer starken Zivilgesellschaft gegen jeden Antisemitismus."
Und er ergänzte: „Jüdisches Leben in Lichtenberg muss sicher und sichtbar sein, ohne Kompromisse!"
Das ist nicht einfach ein Ritual, das jedes Jahr wiederholt wird. Es ist ein Aufruf an jeden von uns, in einem Jahr, in dem Antisemitismus wieder zunimmt. Wer am Dienstag dabei sein kann, sollte es tun.