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Lichtenberg Kriminalität 2026: Zahlen, Brennpunkte und Trends

Von Stefanie Buchholz | 4. September 2026
Lichtenberg Kriminalität 2026: Zahlen, Brennpunkte und Trends © Ralf Henning
Symbolbild für Wohnungseinbrüche in Berliner Mehrparteienhäusern

Gefährlich? Die amtlichen Daten zeichnen für Lichtenberg ein nüchternes Bild. Pro Kopf gerechnet steht der Bezirk in der Mitte der zwölf Berliner Bezirke und klar hinter Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Innerhalb des Bezirks gehen die Werte dagegen weit auseinander: Die viel befahrene Frankfurter Allee Süd liegt ganz vorn, die Rummelsburger Bucht deutlich ruhiger.

Dealer am Bahnhof Lichtenberg, Einbrecher in Karlshorst, Streit an der Frankfurter Allee: Solche Schlagzeilen hast du als Lichtenberger sicher schon gelesen.[7] Stimmen sie mit dem überein, was die Polizei tatsächlich zählt?

Um das zu klären, haben wir den Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin in der Fassung von 2025[1] sowie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025[2][8] durchgearbeitet. Am Ende steht fest, welchen Platz Lichtenberg unter den elf anderen Bezirken einnimmt, in welchen der 13 Bezirksregionen die Polizei am häufigsten ermittelt und in welche Richtung sich die Werte seit 2016 bewegen.

Was dich erwartet

Die Bilanz für Lichtenberg im Jahr 2025

Knapp über 30.000: Genau 30.016 Straftaten[1] hat die Polizei 2025 in Lichtenberg aufgenommen. Das Vorjahr lag mit 30.189 nur minimal höher, der Unterschied beträgt 173 Fälle oder 0,6 Prozent.

Wichtiger für den Vergleich mit anderen Bezirken ist die Belastung pro 100.000 Einwohner. In Lichtenberg ergibt das für 2025 rund 9.480, kaum weniger als die 9.680 aus 2024. Unter den zwölf Bezirken reicht das für Platz 7 von 12.

Zur Aufklärung gibt es für Lichtenberg allein keine Zahl, der Kriminalitätsatlas führt sie nicht nach Bezirken. Stadtweit meldet die konsolidierte PKS-Auswertung für 2025 eine Quote von 44,9 Prozent. 2024 waren es 45,5 Prozent, also ein leichtes Minus.[2][8]

Warum die Polizei in 100.000 Einwohnern rechnet

Als Bezugsgröße verwendet die Polizei Berlin Straftaten pro 100.000 Einwohner. Erst diese Kennzahl stellt Bezirke und Bezirksregionen mit ganz unterschiedlicher Bevölkerung auf eine Stufe, denn sie klammert die Größe aus.[4] Mit Fallzahlen allein kommst du nicht weit. Ein einwohnerstarker Bezirk mit hohen Fallzahlen kann pro Kopf durchaus besser dastehen als ein kleiner mit weniger Delikten.

Lichtenberg und die übrigen elf Bezirke: der Vergleich

Gemessen an den Straftaten je 100.000 Einwohner kommt Lichtenberg 2025 auf Platz 7 von 12.[1] Der Bezirk bewegt sich damit genau in der Mitte des Berliner Feldes.

PlatzBezirkStraftaten je 100.000 Einwohner (2025)
1Mitte19.921
2Friedrichshain-Kreuzberg17.879
3Charlottenburg-Wilmersdorf13.162
4Neukölln12.555
5Tempelhof-Schöneberg10.577
6Spandau9.649
7Lichtenberg9.477
8Reinickendorf8.904
9Marzahn-Hellersdorf8.351
10Pankow8.305
11Treptow-Köpenick8.063
12Steglitz-Zehlendorf6.624

Die rund 9.480 Taten auf 100.000 Einwohner sind nur etwa halb so viel wie in den Innenstadtbezirken Mitte (rund 19.900) und Friedrichshain-Kreuzberg (rund 17.900). Gegenüber Steglitz-Zehlendorf, dem Bezirk mit dem niedrigsten Wert, liegt Lichtenberg allerdings rund 43 Prozent darüber.

Welche Straftaten in Lichtenberg vorne liegen

Am häufigsten geht es um Diebstahl, auch darin gleicht Lichtenberg dem Rest der Stadt. Deutlich weniger Fälle entfallen auf Körperverletzung, Rang drei belegt die Sachbeschädigung. Die einzelnen Deliktgruppen:

DeliktFälle 2025Je 100.000 Einwohner
Diebstahl insgesamt13.2344.178
Körperverletzung insgesamt3.4301.083
Sachbeschädigung3.6371.148
Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung1.521480
Diebstahl an oder aus Kfz2.233705
Gefährliche und schwere Körperverletzung797252
Wohnraumeinbruch710224
Fahrraddiebstahl1.354427
Rauschgiftdelikte417132
Diebstahl von Kraftwagen585185
Branddelikte insgesamt361114
Sachbeschädigung durch Graffiti685216
Raub27286
Straßenraub, Handtaschenraub18358
Brandstiftung9229

Die wichtigsten Punkte aus der Übersicht:

  • Vier von zehn Taten sind Diebstähle. Genauer: 13.234 Fälle, rund 44 Prozent aller Straftaten in Lichtenberg. Auf Kraftfahrzeuge entfallen davon 2.818 Fälle, zusammengesetzt aus Diebstahl an oder aus Kfz und Diebstahl von Kraftwagen. Die Aufklärungsquote liegt in Berlin bei diesen Delikten nur bei etwa 21 Prozent.
  • Körperverletzungen leicht rückläufig. 3.430 Fälle nach 3.466 im Vorjahr, das sind minus 1,0 Prozent. Weil Täter und Opfer sich häufig kennen, klärt die Polizei stadtweit rund 80 Prozent dieser Taten auf.
  • Wohnungseinbrüche legen zu. Von 621 Fällen 2024 stieg die Zahl auf 710, ein Zuwachs von rund 14 Prozent. In Berlin insgesamt kommt etwa jeder zweite Einbrecher nicht über den Versuch hinaus.
  • Alt-Lichtenberg und Neu-Lichtenberg tragen den größten Teil. Auf die beiden Bezirksregionen entfallen 2025 zusammen rund 18 Prozent aller Lichtenberger Straftaten. Angesichts der Geschäftsstraßen und Verkehrsknoten rund um Frankfurter Allee und Bahnhof Lichtenberg ist das wenig überraschend.

Frankfurter Allee Süd, Alt-Lichtenberg, Karlshorst: die Lage vor Ort

13 Bezirksregionen zählt Lichtenberg.[6] Für jede einzelne veröffentlicht die Polizei, wie viele Fälle es gab und wie viele davon auf 100.000 Einwohner kommen. Beide Werte gehören zusammen. Die Fallzahl bildet ab, wie viel in einer Gegend los ist, die Quote berücksichtigt, wie viele Menschen dort leben, und sorgt so für einen fairen Vergleich.

RangBezirksregionFälle 2025Je 100.000 Einwohner
1Frankfurter Allee Süd1.95218.548
2Alt-Lichtenberg5.48715.842
3Rummelsburger Bucht59211.984
4Alt-Hohenschönhausen Nord1.86610.917
5Neu-Hohenschönhausen Süd2.6289.335
6Neu-Lichtenberg3.2439.015
7Friedrichsfelde Nord1.4478.731
8Alt-Hohenschönhausen Süd2.8847.980
9Fennpfuhl2.7517.978
10Friedrichsfelde Süd2.2347.892
11Neu-Hohenschönhausen Nord2.4087.670
12Malchow3775.780
13Karlshorst1.6495.154

Den höchsten Wert im Bezirk erreicht 2025 die Frankfurter Allee Süd: 18.548 Straftaten je 100.000 Einwohner, 96 Prozent mehr als der Lichtenberger Durchschnitt. Entlang der Allee liegen Geschäfte, Einkaufszentren und stark genutzte Verkehrswege. An solchen Orten nimmt die Polizei besonders oft Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung auf.

Am unteren Ende steht Karlshorst. 1.649 Fälle und 5.154 Straftaten je 100.000 Einwohner: Keine andere Region in Lichtenberg kommt auf so niedrige Werte.

Von 2016 bis 2025: die Entwicklung in Lichtenberg

Innerhalb eines Jahrzehnts lagen die jährlichen Fallzahlen in Lichtenberg zwischen 26.893 und 31.563. Die meisten Straftaten zählte die Polizei 2023 mit 31.563, die wenigsten 2021 mit 26.893.

0k13k26k40k28.521201627.379201727.604201827.485201928.531202026.893202129.805202231.563202330.189202430.0162025

Jährlich erfasste Straftaten in Lichtenberg laut Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin.

Auf die Einwohnerzahl bezogen sinkt die Belastung leicht. 10.051 Straftaten je 100.000 Einwohner waren es 2016, 9.477 sind es 2025. Pro Person erfasst die Polizei also rund 6 Prozent weniger als vor knapp zehn Jahren. Der Bezirk ist gewachsen, unsicherer im Schnitt aber nicht geworden.

Tatverdächtige in Berlin: was die Statistik verrät

Achtung, andere Datenbasis

Für Lichtenberg allein gibt es keine Zahlen zu Tatverdächtigen. Die Polizei Berlin weist sie nur berlinweit aus, einmal jährlich im PKS-Kurzbericht. Die Anteile in diesem Abschnitt stammen aus dem Berichtsjahr 2025 und beschreiben die ganze Stadt. Für Lichtenberg können sie anders aussehen.

Laut PKS-Bericht für 2025, vollständig vorliegend seit September 2026, hat die Polizei Berlin 132.279 Tatverdächtige ermittelt[2][8]. 2024 waren es 143.534, das Minus beträgt 11.255. Aufschlussreicher als die absolute Zahl ist die Tatverdächtigenbelastungszahl, die angibt, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner kommen. Sie fiel 2025 von 2.958 auf 2.879.

Reisetäter und andere Auswärtige machen einen kleineren Teil aus als zuvor. Von allen in Berlin ermittelten Tatverdächtigen leben 74,5 Prozent in Berlin, 2024 lag der Anteil bei 69,9 Prozent.[8] Rund jeder vierte Verdächtige ist damit Tourist, Pendler, Geschäftsreisender oder Reisetäter.

Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen

Ausländerrechtliche Verstöße bleiben hier außen vor, weil etwa Delikte rund um den Aufenthalt nur von Nichtdeutschen begangen werden können. Ohne sie ergab sich für Berlin 2025 folgende Verteilung[2][8]:

  • 56,7 Prozent deutsche Tatverdächtige
  • 43,3 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige, nach 43,9 Prozent ein Jahr zuvor

Bei einzelnen Delikten liegen die Anteile teils weit von diesem Mittel entfernt, wie diese Auswahl schwerer Straftaten zeigt:

DeliktgruppeAnteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2025)Vorjahr (2024)
Wohnraumeinbruchdiebstahl75,0 %70,8 %
Raub55,0 %55,3 %
Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte44,3 %44,6 %
Gefährliche und schwere Körperverletzung44,1 %44,3 %
Straftaten gegen die persönliche Freiheit39,4 %39,2 %
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung36,9 %38,4 %

Den Ausreißer bildet der Wohnungseinbruch. Hier haben 75,0 Prozent der Tatverdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit, 56,8 Prozent leben außerhalb Deutschlands.[8] Reisende Täter prägen diese Deliktgruppe mehr als jede andere, das ist seit Jahren bekannt.

Staatsangehörigkeit ist nicht gleich Herkunft

Maßgeblich für die Polizeiliche Kriminalstatistik ist ausschließlich der Pass. Ob die Eltern oder Großeltern zugewandert sind, wird nicht erhoben. Ein gebürtiger Berliner mit deutscher Staatsangehörigkeit erscheint als deutscher Tatverdächtiger, gleich wo seine Familie herkommt. Getrennte Werte für Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund sind in der PKS deshalb nicht zu finden.

Für einen Blick über mehrere Jahre eignet sich eher die Gefängnisstatistik. Hier sind nur Menschen erfasst, die tatsächlich verurteilt wurden, und keine Besucher oder Geschäftsleute, die nur ein paar Tage in Berlin waren. Zum Stichtag 31. März 2025 besaßen rund 49 Prozent[3] der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten im Berliner Justizvollzug keinen deutschen Pass, wobei Staatenlose und ungeklärte Fälle mitgerechnet sind.

Unter diesen nichtdeutschen Gefangenen kamen 60 Prozent aus europäischen Staaten. Asiatische Staatsangehörigkeiten hatten 21 Prozent, afrikanische 12 Prozent, amerikanische ein Prozent. Staatenlos waren sechs Prozent.

Aber auch in diesem Fall geht es allein um die Staatsangehörigkeit. Eine Statistik der Gefängnisse nach Migrationshintergrund, die für ganz Deutschland einheitlich wäre, führt niemand.

Fünf Punkte, die du beim Lesen beachten solltest

Ohne diese Einordnung erzählen die Zahlen nur die halbe Geschichte:

  • Verdächtig heißt nicht verurteilt. In der Polizeilichen Kriminalstatistik stehen Fälle, sobald die Polizei ihre Ermittlungen beendet hat.[5] Ob es zu einer Verurteilung kommt, entscheidet erst ein Gericht, und bis dahin gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
  • Mit nichtdeutsch ist der fehlende deutsche Pass gemeint. Über einen Migrationshintergrund sagt das Merkmal nichts aus, wie oben erklärt.
  • Besucher, Durchreisende und Asylsuchende sind mitgezählt. Wird ein Tourist aus Paris, Warschau oder Hamburg beim Ladendiebstahl erwischt, geht der Fall in die Berliner Zahlen ein. Bei manchen Delikten macht das einen großen Teil des nichtdeutschen Anteils aus, beim Wohnungseinbruch leben immerhin 56,8 Prozent der Tatverdächtigen nicht in Deutschland.
  • Die Altersstruktur wirkt stark. Am höchsten ist die Kriminalitätsbelastung statistisch bei jungen Männern. Unter den Nichtdeutschen in Berlin gibt es anteilig mehr junge Menschen und mehr Männer als unter den Deutschen. Das allein hebt ihre Anteile an den Tatverdächtigen rechnerisch an, erlaubt aber keinen Schluss auf einzelne Personen.
  • Angezeigt wird nicht alles. Ein Teil der Taten bleibt im Dunkelfeld. Wie häufig Menschen Anzeige erstatten, schwankt nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohngegend und beeinflusst so, was in der Statistik erscheint.

Das fragen Lichtenberger oft

Wo ist es in Lichtenberg am ruhigsten?

In Karlshorst. Die Bezirksregion verzeichnet 2025 lediglich 5.154 Straftaten auf 100.000 Einwohner und liegt damit an letzter Stelle im Bezirk. Auch die 1.649 erfassten Fälle sind der geringste absolute Wert in Lichtenberg.

Welche Gegend in Lichtenberg ist am stärksten belastet?

Die Frankfurter Allee Süd mit 18.548 Straftaten auf 100.000 Einwohner im Jahr 2025. Es folgen Alt-Lichtenberg mit 15.842 und die Rummelsburger Bucht mit 11.984.

Wie steht Lichtenberg im Vergleich zu anderen Bezirken?

Solide im Mittelfeld. Mit rund 9.480 Straftaten auf 100.000 Einwohner bleibt Lichtenberg weit unter Mitte (19.921) und Friedrichshain-Kreuzberg (17.879) und landet 2025 auf Platz 7 von 12. Noch niedrigere Werte haben nur Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf.

Welcher Anteil der Straftaten wird in Berlin aufgeklärt?

Nach Bezirken getrennt veröffentlicht der Kriminalitätsatlas keine Aufklärungsquote. Für Berlin insgesamt waren es 2025 44,9 Prozent, 2024 noch 45,5 Prozent.[8] Bei Körperverletzung liegt die Quote bei rund 80 Prozent, bei Diebstahl bei nur rund 21 Prozent.

Wie groß ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Berlin?

Ohne ausländerrechtliche Verstöße gerechnet besaßen 2025 berlinweit 43,3 Prozent der Tatverdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit, etwas weniger als 2024 mit 43,9 Prozent.[8] Den Migrationshintergrund erfasst die PKS dabei nicht, sondern nur den Pass.

Gibt es in Lichtenberg mehr nichtdeutsche Tatverdächtige als im Berliner Schnitt?

Auf Bezirksebene lässt sich das nicht prüfen, weil der Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin die Tatverdächtigen nicht nach Staatsangehörigkeit und Bezirk trennt. Die gesamtstädtischen Werte kannst du nicht einfach übernehmen: Lichtenberg unterscheidet sich bei Sozialstruktur, Alter der Einwohner und Besucherzahlen vom Berliner Durchschnitt.

Ist Lichtenberg in den letzten Jahren sicherer geworden?

Leicht, wenn du die Einwohnerzahl berücksichtigst. Die jährlichen Fallzahlen schwanken seit 2016 zwischen rund 26.893 und 31.563. Die Belastung je 100.000 Einwohner ging aber von 10.051 im Jahr 2016 auf 9.477 im Jahr 2025 zurück.

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Stefanie Buchholz
Stefanie Buchholz
Freie Journalistin

Freiberufliche Journalistin, lebt seit 2013 in Lichtenberg. Fand über ein Blogprojekt zum Journalismus und dokumentiert seitdem den rasanten Wandel ihres Bezirks.

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