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Lokales

Große-Leege-Straße: Parkplätze bleiben – aus Durchgang wird grüne Promenade

Neue „Gemeinschaftsvariante“ sichert Stellplätze, bringt Bäume, Versickerungsmulden und mehr Barrierefreiheit

Von Stefanie Buchholz | 11. Dezember 2025
Große-Leege-Straße: Parkplätze bleiben – aus Durchgang wird grüne Promenade © Ralf Henning

Auf der Großen-Leege-Straße wird nicht länger nur gestritten, jetzt liegt eine „Gemeinschaftsvariante“ auf dem Tisch, die viele Nachbarn erst mal aufatmen lässt. Parkplätze bleiben erhalten, gleichzeitig soll die Straße grüner, sicherer und barrierefreier werden – so das Ergebnis einer Infoveranstaltung mit rund 400 Lichtenbergerinnen und Lichtenbergern, die nebenbei zeigt, wie sehr die Aufenthaltsqualität in den Parks in Lichtenberg und auf den Hauptstraßen zusammenhängt.12

Nach Monaten hitziger Debatten über wegfallende Stellplätze, „Planung von oben“ und Verkehrschaos versucht das Bezirksamt nun den Spagat zwischen den Interessen der Autofahrer, Familien, Seniorinnen und Radfahrern. Die neue Planung verspricht: niemand muss auf sein Auto verzichten – und trotzdem soll Alt-Hohenschönhausen ein gutes Stück lebenswerter werden.

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Parkplätze bleiben – aber die Straße wird grüner

Gleich zu Beginn der Veranstaltung in Alt-Hohenschönhausen nahm Verkehrsstadträtin Filiz Keküllüoğlu den größten Aufreger vom Tisch: Alle bestehenden Parkplätze an der Große-Leege-Straße sollen erhalten bleiben. Zuvor war von bis zu 100 bis 200 möglichen wegfallenden Stellplätzen die Rede gewesen, was bei vielen Anwohnenden für Alarmstimmung gesorgt hatte.

Der nun vorgestellte vierte Entwurf – daher auch „Gemeinschaftsvariante“ – reagiert direkt auf diese Kritik. Statt Stellplätze abzubauen, werden sie neu geordnet und nach dem sogenannten Schwammstadtprinzip gestaltet: Zwischen den Stellflächen sollen Versickerungsmulden, mehr Grün und neue Bäume entstehen, die Regenwasser aufnehmen und im Sommer für Abkühlung sorgen.

Von grauer Durchgangsstraße zur grünen Promenade

Ausgangspunkt des ganzen Prozesses ist die Diagnose des Bezirksamts: Die Große-Leege-Straße hat in Sachen Stadtgrün, Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit deutliche Defizite.3 Ziel des Entwicklungskonzepts ist es, den alten Promenadencharakter der Straße wiederherzustellen und sie zu einem Ort der Erholung, Begegnung und des Klimaschutzes zu machen.

Im neuen Entwurf spielt deshalb die Begrünung eine zentrale Rolle. Viele der bestehenden Bäume entlang der Straße sind laut Planern stark beschädigt und sollen gefällt, dafür aber durch neue, hitzeresiliente Bäume im Mittelstreifen ersetzt werden – mehr Schatten, weniger Hitzestau, mehr Aufenthaltsqualität für die Nachbarschaft.

Was sich konkret ändert – und was bleibt

Die Grundstruktur der Straße bleibt erhalten: Es wird keine komplette Umkrempelung mit Einbahnstraßen-Experiment oder Parkverbot auf ganzer Länge geben. Stattdessen setzt der Entwurf auf gezielte Eingriffe: breitere, klarer geführte Gehwege, bessere Querungsmöglichkeiten und eine durchgehendere Begrünung.

Der bisher erhöhte Mittelstreifen soll abgesenkt werden, damit Autos leichter in die Stellplätze ein- und ausfahren können. Gleichzeitig wird genau dieser Mittelstreifen zur grünen Ader: neue Bäume, zusätzliche Bepflanzung und potenziell Sitzgelegenheiten sollen die Große-Leege-Straße vom reinen Durchfahrtsraum zur wohnortnahen Promenade aufwerten.

Barrierefreiheit und Sicherheit im Fokus

Ein weiterer Kernpunkt der Gemeinschaftsvariante ist die Barrierefreiheit – ein Thema, das in einer älter werdenden Nachbarschaft an Bedeutung gewinnt. Geplant sind abgesenkte Bordsteine an Querungsstellen und eine barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestellen, damit Rollstuhlfahrende, Menschen mit Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen sicherer unterwegs sind.

Außerdem sollen im weiteren Planungsprozess Verbesserungen bei Beleuchtung, Sitzbänken, Abfalleimern, Fahrradbügeln und E-Ladesäulen geprüft werden. Für viele Nachbarinnen und Nachbarn könnte das den Unterschied machen zwischen „Ich hetze nur schnell durch“ und „Ich bleibe gern noch fünf Minuten länger vor der Tür sitzen“.

So kam es zur „Gemeinschaftsvariante“

Der Weg dorthin war durchaus holprig: Bereits am 13. Oktober stellte das Bezirksamt erste drei Varianten zur Umgestaltung vor – als Diskussionsgrundlage. Damals war noch von einem möglichen Wegfall zahlreicher Parkplätze die Rede, woraufhin CDU und FDP dem Bezirksamt „Planung von oben herab“ vorwarfen und viele Anwohnende sich übergangen fühlten.4

Parallel dazu konnten Bürgerinnen und Bürger bis Ende Oktober online ihre Ideen und Wünsche einbringen. Die jetzt vorgestellte vierte Variante wurde laut Bezirksamt und Planungsbüro ausdrücklich auf Basis dieser Rückmeldungen erarbeitet – daher die Betonung, man habe eine gemeinschaftlich entwickelte Lösung gefunden.

„Wir sind noch ganz am Anfang: Im Moment geht es darum, zuzuhören, Ideen aufzunehmen und gemeinsam herauszufinden, was sich die Nachbarschaft wünscht“, hatte Keküllüoğlu bereits im Oktober betont. Genau dieser Satz dürfte vielen nach der Infoveranstaltung nun plausibler vorkommen als noch vor ein paar Wochen.

Was bedeutet das jetzt für die Nachbarschaft?

Für die Menschen in Alt-Hohenschönhausen heißt die neue Planung vor allem: mehr Grün und mehr Komfort vor der Haustür, ohne dass man gleich das eigene Auto abschaffen muss. Wer bisher Angst hatte, abends keinen Stellplatz mehr zu finden, kann fürs Erste durchatmen – auch wenn der Umbau selbst später natürlich Nerven kosten wird.

Langfristig könnte die Große-Leege-Straße ein Aushängeschild dafür werden, wie Lichtenberg mit Klimaanpassung, Verkehr und Nachbarschaftsinteressen umgeht. Wenn der Plan aufgeht, bekommen Kinder sicherere Wege, Ältere bessere Querungen, alle zusammen mehr Schatten und Grün – und trotzdem bleibt der Straßenraum funktional für den Alltag im Kiez.

Noch sind nicht alle Details geklärt: Etwa wie viele neue Bäume genau kommen, wie die Aufenthaltsbereiche möbliert werden oder wann gebaut wird. Klar ist nur: Die Große-Leege-Straße wird in den nächsten Jahren ein Dauerthema im Kiez bleiben – aber diesmal mit der Chance, dass am Ende viele sagen: „Das haben wir hier gemeinsam hingekriegt.“

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Stefanie Buchholz
Stefanie Buchholz
Freie Journalistin

Freiberufliche Journalistin, lebt seit 2013 in Lichtenberg. Fand über ein Blogprojekt zum Journalismus und dokumentiert seitdem den rasanten Wandel ihres Bezirks.

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